Unser 'wasm8eigentlich-Kandidat' für den Februar 2004

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Christian!      

Diakon in der Martin-Luther-Gemeinde in Bremen/Findorf

... und als ehemaliger Stammesleiter im Gespräch:

Hallo Christian!

Hallo Oliver! .... jaaa, .... das Gesicht kommt mir doch irgendwie bekannt vor ...

Du, das ist ja schon 20 Jahre her, aber irgendwo sind wir uns doch schon mal über den Weg gelaufen ...

Gehen wir nach oben in mein Arbeitszimmer ..... Setz' Dich, Du trinkst doch einen Tee?

Oh ja, gerne!

Hast Du mal ein Feuerzeug für das Teelicht?

Ähhh-neee, müsste ich als Pfadfinder ja eigentlich immer dabei haben, mit Schnüre und Taschenmesser...  

Christian, wie fing das denn bei Dir mit den Pfadfindern an?

Ich bin mit 11 Jahren gleich in die Sippe gekommen ..

Kennst Du noch Deinen Sippennamen?

Jaa, Sippe Waldkautz ... Du kannst das Fenster über Dir ruhig dichtmachen, wenn es Dir zu kalt wird. Ich kann leider die Heizung nicht regulieren ... Also, der Mathias M. (Hugo) hatte im Dom als Pastorensohn den Rainer S. vertreten, der für ein Jahr in Amerika war. In der Sippe war dann auch Oliver K., Thorsten N., ...

Ach ja, mit denen waren wir doch 1983 in Canada auf dem Welttreffen ... da warst Du aber nicht mit, oder?

Nein, da nicht. Klaus W. und Mathias F. waren dann auch noch in der Sippe ....

Hast Du noch Kontakt zu denen?

Nee, da hab' ich keinen Kontakt mehr ...

Es gab doch damals diese Funker-Lizenz ...

Jaa, genau, da war ich auch bei. Wir haben da gefunkt, wie die blöden. Ich war 13, viel zu jung dafür, aber gepiept hat das wirklich klasse. Als es dann mit dem Ohmschen Gesetz losging, da ...

Uwe, Ernst und ich hatten damit dann auch Probleme. Kennst Du denn noch das Zeichen für "a"?

'A'? Das müsste düt sein, nein, düt diet ! ?, diet-düt! Ja, kurz-lang!

Genau!

Im VCP habe ich dann die ganze Schiene mitgemacht, mit 16 hatte ich meine eigene Sippe im Dom ...

Wie hieß die denn ?

Mäusebussard.

Kannst Du den noch nachmachen?

Thooon-ähhhhhk!!!! 

Au-ha!!!

Die hab' ich dann 5 Jahre geleitet, jetzt aber auch keinen Kontakt mehr zu. Mit 18/19 war ich dann auch Stammesführer,  hab' auch auf der Bezirksebene einige Jahre gearbeitet. Das war so eine Sturm- und Drangzeit, da haben wir uns wirklich über alle möglichen Nichtigkeiten den Kopf zerbrochen. Und an den "alten Säcken" wollten wir uns ja damals unbedingt abarbeiten, aber ohne sie ging es eben auch nicht. Wir wollten alles besser machen, waren gleichzeitig sicher auch froh, dass sie da waren. Was hab' ich mich über Burghard immer aufgeregt, aber ohne ihn wäre auch nichts gelaufen. Durch das Religionspädagogik-Studium in Hannover bin ich dann rausgekommen aus der bremischen Entwicklung, zeitgleich mit Mathias F.. Wir waren ja eigentlich zuletzt die Macher im Stamm und für den Zusammenhalt verantwortlich.

Die Pfadi-Arbeit in der Dom-Gemeinde ist dann irgendwann eingeschlafen ...

Ja, die Entwicklung fand ich auch sehr schade. Erinnere mich da auch an die wildesten Diskussionen ...

In Hannover war ich dann im Landesverband Niedersachsen aktiv. Die Bremer galten dort damals halt immer als hinterwäldlerisch und konservativ gegenüber den aufgeschlossenen Niedersachsen. Es gab dann aber tatsächlich mal eine Situation, wo Mathias und ich uns für die Landesleitung beworben hatten. Mathias wirkte bei seiner Vorstellung jedoch dermaßen überzogen, so dass ich dann als der Gemäßigtere gewählt wurde. Man munkelte, dass dies eine Taktik von Mathias gewesen sei, er bestreitet dies ja vehement. Das war dann schon eine prägende und spannende Zeit für mich, auch in der Landesjugendkammer. Die Hinterfragung, die Jugendpolitik, ... aber auch die Anbindung an die Praxis ... Da waren die ganzen Auslandsreisen um die ganze Welt, das Jamboree in Australien und in den Niederlanden, aber auch der Woodbadge-Kurs, Dr. Pfad, wie er ironisch genannt wurde, die viel zu meiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen haben. Die Erfahrungen des Bekochens von vielen Leuten auf den Zeltlagern kam mir dann später auch in der Kochlehre zu gute.

Du bist ja nun noch VCP-Mitglied, aber durchweg passiv. Ist das eine bewusste Entscheidung oder hast Du schlicht vergessen auszutreten?

Nein, nein, das ist schon bewusst so, bei all der Kritik, die ich an dem Verband äußern könnte. Und schließlich wird das Geld ja auch für die Jugendarbeit dringend benötigt.

Hast Du eigentlich noch Deine Kluft?

Na klar! Die zieh' ich aber nicht so häufig mehr an, Ostern zum Kreuzpfadfindertreffen vielleicht, ansonsten finde ich das albern, wenn sich erwachsene Männer mit Kniebundlederhose und Kluft zwischen die Kiddis setzen. Ich find es ehrlicher, wenn man mit seinen normalen Klamotten erscheint. Die Kluft sollte ja auch nicht die einzige Verbindung sein, es kommt bei dem Lebenspfadfindertum doch eher auf die geistige Gemeinschaft an. 

Kannst Du von Dir eigentlich sagen, dass die christliche Pfadfinderarbeit Dich zu Gott geführt hat?

Ja, auf alle Fälle, wobei ich jetzt kein festes Datum nennen könnte, wann mir Gott begegnet wäre. Letztendlich kann ich auch nicht mit wirklich absoluter Bestimmtheit sagen, ob es ihn denn gibt oder auch nicht. Der Weg ist da für mich eher das Ziel. Aber als prägend in christlicher Hinsicht  würde ich schon die Israelfahrt bezeichnen. Wir hatten dort ein Pfadfindertreffen in Jerusalem. Den Kontakt zu den Juden empfand ich als besonders interessant.

Da war die Sicherheitslage vermutlich entspannter als heute ...

Die Raketen flogen damals auch, aber es war schon eine andere Atmosphäre ... 

Als ich dann in Bremen mein Anerkennungsjahr absolviert hatte, hab' ich gesagt: Jetzt hörst Du auf mit sämtlichen Ehrenämtern! In der Gemeindearbeit ist es sonst schwer, eine Grenze zu ziehen zwischen hauptamtlicher Tätigkeit und ehrenamtlichen Engagement. So ein Wischiwaschi wollte ich dann auch nicht. Geblieben ist dann der Kontakt zu den Kreuzpfadfindern.

Am Wochenende war doch auch die Versammlung der CPD (Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands) in Eurer Gemeinde, das "Gau-Thing" ...

Stimmt, die CPD hat da ja übrigens manchmal eine etwas konservative Begriffswahl ...

... auch der Begriff "Führer" ist ja trotz der geschichtlichen Belastung beibehalten worden. 

Ich kann das manchmal nicht so ganz nachvollziehen, es gibt nach außen zum Teil eine verzerrte Wahrnehmung ...

Es soll auch vorkommen, das Ältere beim Anblick der Kluften schon meinten, ob es die HJ denn wieder gäbe, obwohl es ja die Pfadfinderbewegung schon weit vor der HJ gegeben hat. Die Begriffe kenne ich aber auch noch aus unserer Stammesarbeit in den 80er Jahren.

Ich hab' da auch keine Berührungsängste mit der CPD. Es war ja so: Als "Frosch" wieder nach Bremen kam und wieder eine Gruppe leiten wollte, da hab' ich dann erst einmal gedacht: Super! So eine Situation wünscht sich jeder Diakon. Wir haben dann zusammen geschaut, was sinnvoll ist, und die CPD ist hier in Bremen nun einmal gut vertreten, anders als der VCP. Wir waren da beide völlig offen in der Entscheidung. 

Das kann ich nachvollziehen.

Die Arbeit in den Gruppen ist ja eigentlich auch identisch. Das setzen von Normen, die Pfadfindergesetze, es ist ja nicht nur das ewig verlachte " Jeden Tag eine gute Tat", sondern die Vermittlung der christlichen Ethik.  ...

Werner sprach davon, dass er aus heutiger Sicht einiges anders machen würde, z.B. die rigide Vorgabe des Tischgebetes sieht er heute als fragwürdig an.

Na klar, es hilft keinem Kind zu sagen, Du musst jetzt dreimal am Tag beten, um ein besserer Mensch zu werden. Damit wird es nur besser im Nachplappern. Es wird ja so kein eigenes Interesse bei den Jugendlichen geweckt. Und nur die Gesetzmäßigkeiten, die man letztendlich für sich selbst akzeptiert, werden dann auch nachgelebt. Wenn man z.B. als Kind schon begriffen hat, dass es feste Regeln gibt und Grenzen der persönlichen Freiheit, dann wirkt sich das auch auf später aus. Die Pfadfinderidee ist dafür einfach genial, und diakonisches Handeln ist ja in jeder Religion erforderlich, also nicht nur für sich, sondern auch für andere etwas zu tun. Du kannst das Fenster jetzt aber ruhig mal schließen ...

Anderes Thema: Udo F. fragte mich vor ein paar Tagen, ob ich ihn mit Kluft am 27.01.04 vertreten wolle bei der N3-Quiz-Sendung: Die Leuchte des Nordens. Ich habe das für mich abgelehnt. Hättest Du Interesse, daran teilzunehmen?

Also, grundsätzlich habe ich da kein Problem mit, vor der Kamera zu stehen oder vor vielen Menschen zu sprechen. Ich habe da schon ein gewisses Sendungsbedürfnis. Das gehört schon zu meinem Berufsbild dazu. Aber hier wird man ja in ein Konzept rein gesteckt, was mit einem selbst nichts zu tun hat. Ich bin durch meine Arbeit ja auch ein öffentlicher Mensch und werde von Anderen ständig beurteilt. Und da ist so Sendung natürlich für Tratschrunden eine willkommene Gelegenheit, über mich herzuziehen. Und das möchte ich einfach nicht. Eigentlich finde ich so eine Sendung auch albern, man kann sich da ganz gut zum Affen machen und im Grunde nur dabei verlieren. Allein schon die Reaktion auf Bundesebene, wenn dort der VCP vertreten wird ... nein, deshalb werde ich Dir da eine Absage erteilen. Solange nicht ein Thema gewählt wird, was mit mir oder meiner Arbeit zu tun hat, habe ich daran kein Interesse. Ich wollte ja schon immer gerne selber etwas tun, und nicht darüber erzählen, was andere machen. Das war der Grund, weshalb ich nicht Journalistik studiert habe. 

Du bist bei Deinem Werdegang im VCP nun als passives Mitglied völlig unterfordert. kannst Du Dir für Dich einen gewissen Rahmen an Aktivitäten in Zukunft vorstellen?

Punktuell ist da eine Mitarbeit durchaus vorstellbar ...

Zum Beispiel eine Jurtenschnack-Teilnahme ?

Ja, zum Beispiel, ich würde unheimlich gerne meine alten Sipplinge mal wieder sehen. Wir haben ja viel zusammen gemacht, das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei ...

Wir planen ja auch zu Pfingsten ...

Da bin ich schon verplant auf der Schiffs-Freizeit der ev. Jugend als Smutje.

Nee, das find' ich ja spannend, dieses holländische Schiff, was die Kirche gekauft hat ... ?

Genau, ich bin da in der Projektgruppe tätig und außerdem auch Bootsmann. Das Schiff ist ja für dieses Jahr schon ausgebucht, aber ich kann das gerne für das nächste Jahr zu Pfingsten vormerken.

Und ein Schiffs-Kochbuch hast Du auch schon angelegt. Wie viele passen denn auf so ein Schiff?

Es sind 3 Crew-Mitglieder und 20 Gäste vorgesehen, wobei die Gäste angelernt werden müssen, um das Schiff insgesamt fahren zu können. Das Schöne ist ja: Sobald Du den Fuß auf das Schiff gesetzt hast und ablegst, hast Du Urlaub und kannst sofort loslassen vom Alltag. Das Ganze ist übrigens auch Pfadfinderpädagogik pur.

Da komme ich ganz sicher drauf zurück. Christian, ich danke Dir für dieses Gespräch!

Weitere Informationen zum Schiff unter: www.verandering.de

Das aus dem Gedächtnis aufgezeichnete Gespräch mit Christian T. führte Oliver am 21.01.2004 bei Tee und weit geöffnetem Fenster...

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