Unser 'wasm8eigentlich-Kandidat' für den Januar 2005

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Christoph!  Das eigentliche Foto kommt noch ...     

Landesleitung VCP-Niedersachsen (+Bremen!) im Gespräch:

Na Christoph, Du hast hoffentlich gut gefrühstückt und den Jahreswechsel gut verdaut. Fühlst Du Dich fit genug für zwei, drei belanglose Fragen?

Danke der Nachfrage. Aber eigentlich ist für Interviews meine Pressestelle zuständig. Nun ja, wenn’s nicht anders geht …aber ich rede hier ja auch als Privatperson und nicht als Landesleitung. 

Ein paar Schlagworte: Was verbindest Du im Allgemeinen als Niedersachse mit dem Bundesland Bremen?

Maische, Cornflakes, Landluft und Kaffee – an den Gerüchen konnte ich während meines Zivildienstes in der Alten Neustadt riechen, woher der Wind gerade weht. 

Weitere Schlagworte: Was verbindest Du speziell als VCPer mit dem Bezirk Bremen?

Dass ich bis vor ein paar Monaten nur wusste, dass es ein paar übrig gebliebene Erwachsene dort gibt, aber außer der Funkergilde und einigen Jüngeren in BHV ist niemand von Euch wirklich sichtbar gewesen.

In welche Schublade wurde der VCP-Bremen aus Deiner Perspektive früher gestopft und wie verhält es sich heute?

Zu damals kann ich wenig sagen. Während meines Zivildienstes habe ich nach einem Stamm gefahndet, um weiter aktiv bleiben zu können, habe während meiner jämmerlichen Recherchen aber keine VCPerInnen in Bremen finden können.

Heute bin ich sehr erfreut, dass sich etwas regt, was sehr nach Erfolg versprechendem Neuanfang aussieht.

Unser Gästebuch hat in der Vergangenheit den Anlass für verschiedene Diskussionen geliefert. Eigener 'Bremer VCP-Landesverband', eigenes 'Bremer-Landeslager' für 2006, 'Doppelmitgliedschaft' - wie nimmt ein Niedersächsischer Landesleiter diese Vorhaben auf? Laufen solche Bestrebungen der Verbandslinie zuwider?

Die Diskussionen habe ich eher schmunzelnd verfolgt, da HanseatInnen nicht unbedingt Größenwahn, aber viel heimatverbundenes Selbstbewusstsein nachgesagt wird. Und wenn Ihr 250 aktive Mitglieder habt, bin ich gerne bereit, die Umbenennung unseres Landes in Niedersachsen/Bremen im VCP-Bundesrat zu unterstützen. Doppelmitgliedschaften finde ich überflüssig. Mehr dazu habe ich ja bereits im Gästebuch hinterlassen … 

Wie beurteilst Du aus Deiner Perspektive die aktuelle Bremer Entwicklung im Allgemeinen?

Teils, teils – gut, dass etwas Neues wächst. Hier wünsche ich Dir und Euch viel Durchhaltevermögen. Nur: Wenige Personen können nicht in kürzester Zeit mehr als einem Stamm dauerhaft zu Wachstum verhelfen. „Eins nach dem anderen“ klingt so erwachsen – bewahrt aber wohl vor Enttäuschungen. 

Gibt es aus VCP-Perspektive eine Grenze, wo der Verbandsaustritt nahegelegt wird?

Wenn sich ein Mitglied so gar nicht mit diesem Verband anfreunden kann. „Aufgabe und Ziel“ sind meiner Auffassung nach eine sehr gute und gar nicht so weit gefasste Grundlage für die Arbeit des VCP. Wer das, was dort geschrieben steht, nicht teilen mag, sollte sein Glück vielleicht doch woanders suchen. 

Andersherum: Wenn in der Vergangenheit ganze Stämme geschlossen aus dem VCP ausgetreten sind, woran hat das im Allgemeinen gelegen?

Da es im VCP nur die Einzelmitgliedschaft gibt, kann kein ganzer Stamm austreten. Natürlich haben Menschen in leitenden Rollen auch immer Einfluss auf Andere: Eine Gruppenleitung kann seine Gruppenmitglieder bewegen, den Verband zu wechseln, einer Stammesleitung gelingt das schon seltener.

Im VCP Niedersachsen ist es in der jüngeren Vergangenheit einmal dazu gekommen, dass mehrere Leute auf einmal den Verband verlassen haben. Unterschiedliche Auffassungen gibt es immer, wo Menschen miteinander leben, wieso sollte das im VCP anders sein? 

Auf der vorletzten Landesratsitzung, wo ich als Gast den VCP-Bremen vertreten habe, ist mir teilweise mit frostigem Unterton nahegelegt worden, bei meinen Ansichten doch in die CPD zu wechseln. Bislang habe ich den VCP als flexiblen Verband gesehen, der nur den Rechtsradikalen den Zutritt verweigert. Stellen traditionelle CP-Gruppen für den Verband mittlerweile eine Gefahr dar?

Leider war ich auf besagtem Landesrat nicht, weil ich für den VCP Niedersachsen zum Netzwerktreffen auf Burg Rieneck war. Welche Ansichten meinst Du? Wenn Du auf die Doppelmitgliedschaft anspielst, kann ich nur sagen: Das Pfadfinderische verbindet uns, aber wirklich einbringen kann ich mich nur in einem Verband oder Bund. Der VCP ist mehr als nur die ehemalige CPD. Es waren drei Bünde, die sich 1973/74 zum VCP zusammengeschlossen haben … 

Was für Strömungen gibt es im VCP-Land Niedersachsen (+Bremen!)?

Von Strömungen würde ich gar nicht sprechen. Natürlich gibt es von Stamm zu Stamm Unterschiede: Einige sind jedes Wochenende auf Fahrt, einige eher politisch aktiv, andere haben pfadfinderische Elemente mit klassischer Jugendarbeit gepaart und legen viel Wert auf soziale Aspekte. Die Unterschiede sehe ich aber eher in den Köpfen als in der tatsächlichen pfadfinderischen Arbeit. 

Genau formuliert teilst Du Dir mit Florian Gerecke die kommissarische Landesleitung. Warum nur kommissarisch?

Ich bin nicht mit dem Vorsatz zur letzten Landesversammlung gefahren, Landesleitung zu werden. Mein Arbeitspensum für den VCP war mit CEMP, AG Medien, Homepage und einigen anderen Dingen eigentlich schon ausgefüllt genug. Ich arbeite zwar nur 30 Stunden die Woche, aber die übrigen 138 Stunden verbringe ich neben dem VCP auch gerne mal mit Freunden. Ab und an gönne ich mir auch mal 'ne Stunde Schlaf ;-) Bei Florian sieht das nicht so anders aus. 

Wie schätzt Du im Allgemeinen die Stimmung im VCP-Bundesland Niedersachsen (+Bremen!) ein?

Es verändert sich vieles. Einige Ältere ziehen sich gerade zurück, Jüngere wachsen nach. Aber davon lebt jeder Jugendverband: Viele neue Ideen fließen in die Arbeit ein. An einigen Stellen macht sich Aufbruchstimmung breit. Andererseits sind immer weniger Menschen bereit, Verantwortung zu übernehmen. So kommt es vor, dass immer weniger Leute immer mehr machen. Ein hausgemachtes Problem ist das aber nicht, das findet sich auch überall sonst in der Gesellschaft. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Bevölkerungszahlen sinken ;-)

Insgesamt sehe ich für die Zukunft des VCP in Niedersachsen alles andere als schwarz.

Wo liegen die Schwerpunkte Deiner Arbeit auf Landesebene? Was möchtest Du bewegen?

Zum einen versuchen Florian und ich gemeinsam, die nach der Landesordnung von einer Landesleitung geforderten Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehört die Fachaufsicht über die hauptberuflichen MitarbeiterInnen genauso, wie die Vertretung des Verbandes nach innen und außen. Dazu fällt jede Menge an kleineren Aufgaben an – wie zum Beispiel heute zu Euch nach Bremen zu fahren …

Das eine persönliche Ziel ist es, die Menschen im Verband noch mehr ins Gespräch mit- und übereinander zu bringen. Die Arbeit vor Ort und die Landesebene zum Beispiel müssen enger zusammenrücken. Es kann nicht sein, dass in diesem Zusammenhang immer wieder von „oben“ und „unten“ gesprochen wird. Jede Ebene in diesem Verband hat ihre klare Aufgabe, aber Ziel muss es sein „im Dialog“ das Pfadfinden im VCP zu leben und zu gestalten und so die Balance zwischen Tradition und Moderne zu finden. Wir leben nicht für uns alleine auf einer Insel VCP.

Mein anderer Wunsch ist, die Stufenarbeit zu stärken, also die altersgemäße Vermittlung und das entsprechende Leben von Pfadfinden voranzubringen. Ich denke, hier sind wir in Niedersachsen gerade auf einem sehr guten Weg. 

Wo siehst Du die größten Schwierigkeiten?

Das an jeder Ecke Vorurteile über den jeweils anderen lauern. Satt miteinander kreativ zu streiten und nach Gemeinsamkeiten zu suchen, werden an machen Stellen immer noch Mauern im Kopf zementiert. Ein ganz menschliches Phänomen also ...

Wie viel Zeit investierst Du im Durchschnitt pro Woche für die Pfadfinderarbeit?

Nun ja, wenn ich ein VCP Wochenende mit 20 Stunden berechne und Telefonate und Mails zwischendurch mit einbeziehe, auf ca. 25 Stunden, mal mehr, mal weniger. 

Dein Engagement ist ehrenamtlich?

Ja. Bestimmte Aufgaben, wie Fahrtkosten zum Beispiel, werden erstattet, aber das bekommen alle Ehrenamtlichen im VCP. 

Woher nimmst Du dann Deine Motivation für Deinen Einsatz?

Pfadfinden hat mich von klein auf sehr geprägt. Ob in den Gruppenstunden, auf Fahrt und Lager, aber auch in den Gremien. Für mich ist es selbstverständlich, dem Verband für das, was ich erhalten habe, auch etwas zurück zu geben. 

Was hat Dich in Deiner jetzigen Funktion am meisten gefreut?

Oh, das kann ich so aus dem Stehgreif gar nicht beantworten. Die Arbeit macht meistens Spaß, aber das hängt weniger mit der Funktion zusammen, als mit den vielen größeren und kleineren Begegnungen. 

VCP und CPD werden auf dem diesjährigen Kirchentag wieder Helferdienste übernehmen. Das Verhältnis untereinander ist aus meiner Perspektive nicht entspannt. Ist es richtig, dass hier seit Jahrzehnten zuweilen platte Vorurteile und Empfindlichkeiten gepflegt werden?

Es ist nie richtig, Vorurteile zu pflegen, aber die gibt es, denke ich, von beiden Seiten.

Ich respektiere die Arbeit der CPD, habe freundliche Begegnungen in Erinnerung von den letzten Kirchentagen, aber ich sehe in diesen Begegnungen Menschen vor mir, nicht Repräsentanten einer Gruppierung.

Welche Fehler hat der VCP gegenüber der CPD in der Vergangenheit gemacht?

So spontan fallen mir keine ein. Es gibt aber auch wenige Berührungen beider Vereinigungen auf „offizieller“ Ebene. 

Welche Übereinstimmungen fallen Dir ein, was unterscheidet diese beiden Gruppierungen?

Beide Vereinigungen leben Christliches Pfadfinden. Der CPD sagt man nach, sie sei traditioneller Ausgerichtet, dem VCP, er sei „pluralistischer“. Ich glaube, in der täglichen Arbeit unterscheiden sich beide nicht so sehr, wie oft behauptet, allerdings kenne ich die „offizielle“ CPD zu wenig. Das Auftreten mag ein anderes sein. Ganz platt: Ich habe kein Problem, mein Bier in Tracht zu trinken, besoffene PfadfinderInnen ohne Tracht mag ich aber auch nicht. Und hauptberufliche Unterstützung bei Schulungsarbeit ist mir persönlich sehr wichtig, um die Qualität der Arbeit vor Ort zu gewährleisten. 

Ist es erklärtes Ziel der Landesleitung, das Verhältnis zur CPD durch engere Zusammenarbeit zu verbessern?

Nein.

Das ist nun aber keine kategorische Absage an jede Form der Zusammenarbeit. Der Blick über den Tellerrand ist gut und wichtig, aber andere Aufgaben und Ziele füllen mich schon genügend aus ;-) 

Wie könnte sich ein verbesserter Umgang in Bezug auf den Kirchentag konkret darstellen?

Natürlich sind CPDerInnen als Gäste bei unseren Projekten, wie alle anderen PfadfinderInnen auch, gerne gesehen. Aber eine konkrete Zusammenarbeit ist nicht geplant. 

Eine Doppelmitgliedschaft in CPD und VCP lehnt der VCP seit Jahrzehnten ab. Es war so, dass der VCP in diesem Falle zum Austritt aus einem der beiden Organisationen aufgefordert hat. Ist dieses Verhalten aus Deiner Perspektive noch zeitgemäß?

Ja. Ich denke, ein Mensch kann nur in einer Vereinigung so aktiv sein, dass es ihr und ihm wirklich nützt. Dabei geht es mir gar nicht um die Unterschiede der Bünde und Verbände. Um eine Koalition zu bilden, muss ich auch nicht in zwei Parteien Mitglied sein ;-)

So weit ich weiß, kann ich von CPD Seite nicht Mitglied bei beiden sein … 

Gab es in Niedersachsen Situationen, wo dieser Beschluß durchgesetzt wurde?

Nicht, dass ich wüsste. 

VCP-Veranstalltungen und Alkohol - Was fällt Dir dazu ein?

Es dürfte ruhig weniger sein. Ich habe nichts gegen ein Bier oder einen Becher Wein in gemütlicher Runde. Der überwiegende Teil im VCP sieht das genauso wie ich. Wir sind ein Verband für Kinder und Jugendliche: Die Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol in unserer Gesellschaft vorkommt, muss bei uns kritisch hinterfragt werden. Aber nicht nur von Alkohol, auch von anderen Genussmitteln und Drogen.

Andererseits weckt ein Tabu nur Neugierde. Fast alle Jugendlichen interessieren sich altersgemäß ab einem bestimmten Zeitpunkt für Alkohol. Einen sinnvollen Umgang zu vermitteln, gehört zu unserem Erziehungsauftrag.

Satzergänzungen: 

Mein persönliches Verhältnis zum Tragen der Kluft: ...

Ich trage sie gerne, weil sie Zeichen der Verbundenheit von Pfadfinderinnen und Pfadfindern weltweit ist und mich als Pfadfinder für andere erkennbar macht. Allerdings muss es jedem selbst überlassen sein, ob er sie trägt. Ich persönlich mag es nicht, wenn die Tracht wie ein Tannenbaum mit allem Möglichen geschmückt ist, und doch ist die persönliche Gestaltung das beste Zeichen dafür, dass wir „alle anders“ und „alle gleich“ sind. Ob ich sie aber offen oder in der Hose trage, spielt für mich keine Rolle. 

Was mich im Umgang mit anderen Menschen am meisten nervt, ist, ...

... wenn sie denken, der Mittelpunkt der Welt zu sein – mit ihren Meinungen, Ansichten und ihrer Weisheit … 

Für das kommende Jahr wünsche ich mir ...

... nicht viel Anderes, als ich in meinen persönlichen Zielen vorhin geschildert habe. Und natürlich einen gelungenen Kirchentag. Als „Gastgeber“ haben wir uns viel vorgenommen.

Zum Schluß eine letzte Frage: Warum ist Scouting eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung?

Weil ich denke, dass es eine sehr sinnvolle Freizeitgestaltung ist, die Kindern und Jugendlichen viel bieten kann. Es müssen nicht immer Fernseher und Computer sein. Der „Blick auf das Kind“ und das „Lernen durch ausprobieren“ sind sinnvolle Elemente, mündiges, selbstständiges und selbstbewusstes Leben in Gemeinschaft zu fördern.

Zum Ausgleich für die vielen Fragen darfst Du nun selbst auch mal eine Frage stellen.

Warum kannst Du nicht auf die CPD-Lilie auf Deiner Tracht verzichten? Reicht Dir das VCP-Zeichen nicht, da ist die Lilie doch schon mit drin?

Das Aufnähen der CPD-Lilie war ja für mich eine bewusste Entscheidung, die zum Einen die Wurzeln meines CP-/VCP-Stammes 'Daniel von Büren' beschreibt, zum Anderen meine innere Verbundenheit mit der aktuellen Arbeit, aber auch durch die erfahrene Unterstützung der CPD-Bremen aufzeigt. Ich arbeite ja auch überwiegend nach den Vorgaben, die ich selbst vor 28 Jahren kennen gelernt habe. Die unterscheiden sich kaum von der heutigen CPD-Arbeit. Das sind halt auch heute noch durchdrungene Traditionalisten. Trotzdem genieße ich jetzt die 'künstlerische Freiheit' im VCP, neue Wege zu gehen oder einfach nur gehen zu können, wenn ich denn wollte. Dieses starre Korsett nicht zu spüren, welches mich früher in der CPD-geprägten VCP-Arbeit doch etwas eingeschränkt hat. Außerdem habe ich hin und wieder mal das Bedürfnis, eine komplette Kluft zu sehen. Die Trefferquote ist da bei der CPD weitaus größer ... Die Darstellung des VCP-Niedersachsen auf diesem Gebiet empfinde ich teilweise als optische Beleidigung, aber ich werde das wohl ertragen.  

Sooooo Christoph, ich danke Dir für das doch etwas länger ausgefallene Gespräch!

Aber wer soll das jetzt alles lesen?

Die über e-mail beantwortete Frageliste von Oliver Meier beantwortete Christoph Knoke nach einem kleinen Neujahrsempfang beim VCP-Bremen am 01.01.2005. 

http://www.vcp.de/wirueberuns/ziel.htm     

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