Unser 'außer-der-Reihe-wasm8-Kandidat' für den Dezember 2003

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Frank!        

Ein ehemaliger Stammesleiter im Gespräch: 

So, Olli, dann fang doch jetzt mal an mit dem Interview!

Oh ja, das ist doch schon mal ein schöner Einstieg ...

Ich möchte aber, dass Du erwähnst, dass Du hier vorweg erstklassig mit Kirschwaffeln und Tee bewirtet wurdest und erwarte von Dir, dass die kritischen Fragen gestrichen werden!

Das Interview mit Dir stelle ich mir sowieso etwas schwieriger vor als das mit Ernst und Uwe. Du vermittelst mir gegenüber immer etwas den Eindruck von Überlegenheit ...

Du, das möchte ich aber gar nicht, ich bin hier Gleicher unter Gleichen.

Ilona: Das kommt noch von früher, weil Frank Dein Gruppenleiter war.  (Stimmt, damals sagte er immer: Erster unter Gleichen ... - A. d. Red.)

Also gut, Frank, wie geht es Dir im Moment?

-???- ... Gut, mir geht es wirklich gut!

Du bist ja mit 7Jahren ziemlich früh zu den Pfadfindern gekommen ...

Genau! Au Mann, ist das lange her ...., da war ich ja noch ziemlich klein. Damals in der Meute von Doris B.. Der __?__ ist da auf den Bolzen gekommen, dort hinzugehen. Wir haben uns anfangs in zwei Wohnungen im Max-Jahn-Weg in Kattenturm getroffen und waren damals noch im CPD e.V., ach nee, CPD, der e.V. kam ja später. Dann gingen wir zu der Sippe von Werner D. in der Abraham-Gemeinde.

Kennst Du denn noch Deinen Sippennamen?

Schwarzer Panther!

Das ist ja ähnlich wie bei Uwe, der meinte hingegen, unser Sippenname wäre blauer oder grauer Panther gewesen ...

Das kann auch sein ...

Nein, unsere Gruppe hieß Silberlöwe!

- ??? - Das glaub' ich nicht ...

Silberlöwe, ganz sicher!!!

Wir hatten doch so einen Panther auf dem Wimpel ...?

Nein, das war ein Silberlöwe, den hat doch meine Mutter entworfen! Wirklich jetzt!

... wie dem auch sei!

Wenn Du die verschiedenen Stufen so betrachtest: Meute - Sippenmitglied - Sippenleiter - Stammesleiter -, welche Zeit war für Dich die interessanteste? 

Tjoooh, ... die Sippenarbeit? Ja, die Sippenarbeit!

Als Sippling?

Nein, auch mit Euch. Als Sippenleiter hab' ich da einiges an spannenden Erfahrungen und Erlebnissen rausgezogen, von denen ich heute noch profitiere. Die Sache mit Stefan und seinem Insulin z.B. war für mich da schon so eine Grenzerfahrung, wo ich heute denke, dass ...

Machst Du Dir etwa Vorwürfe?

... nein, das nicht, aber man hätte das besser planen können. Heute im Zeitalter des Handys ist das ja alles kaum noch vorstellbar, aber damals ...

Ich weiß noch, dass ich mir bei den Bergen fast die Lunge aus dem Hals gelaufen bin, war da wohl auch etwas untrainiert, und heute sagt er, das wäre gar nicht so dringend gewesen ...

Na ja, wir meinten das damals eben, dass es so wäre ...

Ich glaube, dieses Erlebnis hat Dich auch so nachhaltig geprägt, dass Du jetzt eben so bist, wie Du bist ..., alles vorrausschauend planend und überlegend.

Das kann sein, heute würde ich eine Gruppe viel zu vorsichtig leiten, die Kinder hätten vermutlich gar keinen Spaß an meiner Gruppenführung, weil diese Unbekümmertheit nicht mehr da wäre. Das Gruppenerlebnis wäre nicht das gleiche, wie bei einem jungen Gruppenleiter. Ich wunder mich auch, dass das bei Dir so klappt, Du scheinst Dir da etwas bewahrt zu haben ...

Du meinst das Kindliche? Hab' da auch schon mal drüber nachgedacht ...

Ausnahmen bestätigen eben auch da die Regel.

Du hast Dich irgendwann aus der Pfadfinderarbeit verabschiedet. Was waren denn das für Gründe und war da schon erkennbar, dass der Stamm auseinander fällt?

Nein ..., nein, das war damals so nicht zu sehen. Wenn Du verheiratet bist, ein Haus baust und Kinder hast und dann auch noch die Meisterschule besuchst, dann hast Du keine Zeit mehr für großartige Paralleltätigkeiten. Dann kam noch hinzu, dass die Vorstandsarbeit irgendwie doch weit weg war von der Praxis. Es geht halt darum, wo bekommst Du Geld her, welche Kontakte sind dafür erforderlich, u.s.w. Das ist alles ein wenig abstrakt, wenn man lieber mit Menschen zu tun hat.

Hattest Du nach Deinem Ausscheiden noch Interesse am Verlauf der Stammesaktivitäten?

Na klar, verfolgt hab' ich das schon, aber aus der Ferne. Ich halte nichts davon, mich nachträglich mit schlauen Bemerkungen einzumischen. Da sollte die jeweilige Stammesleitung immer selbst gestalterisch und eigenverantwortlich handeln.

Die Aktivitäten reduzierten sich ja zuletzt auf die Funker und Computergruppe. Hattest Du zu Deiner Zeit einen Bezug zu diesem Pfadfinderverständnis aufbauen können?

Nein, da hab' ich keine Verbindung zu gehabt. Den tieferen Zusammenhang zur eigentlichen Pfadfinderarbeit konnte ich persönlich nicht herstellen. Natürlich war ich nicht froh über die Stammesentwicklung. Man hat ja auch selbst viel Zeit in die Stammesarbeit investiert, aber der Fortlauf ist ja nun nicht einklagbar. Jugendarbeit bewegt sich nun mal oft in Wellenlinien.

Hast Du damit gerechnet, dass sich später noch einmal so viele Ehemalige für Lagerfeuer und Gesang interessieren würden oder warst Du von einer geringen Teilnahme ausgegangen?

Ich hab' mit den Leuten gerechnet, die beim ersten Jurtenschnack dabei waren. Beim zweiten war ich dann schon über den einen oder anderen Teilnehmer überrascht.

Und was hast Du bei der Einladung zu dem ersten Treffen gedacht?

"Au fein", hab' ich gedacht, "da kann ich meinen Kindern endlich mal zeigen, wie das so ist mit Zelt und Lagerfeuer."

Bist Du eigentlich der Meinung, dass man unserem Stamm wieder zu neuem Schwung verhelfen kann, oder beobachtest Du das eher skeptisch? Siehst Du da vielleicht ein Licht am Ende des Tunnels?

Nein, seh' ich nicht. Das mit dem Jurtenschnack ist ja auch nur als Beiwerk zu sehen, ..

... Veteranentreff ...

... ja, genau, das ist ja kein eigenständiger Motor, der eine Entwicklung in Gang setzt. Man müsste schon Gruppenleiter finden, aus einem Pool schöpfen können. Es waren immer nur ca. 20% einer Sippe für eine Gruppenleitung geeignet und natürlich kommt Frust auf, wenn von den wenigen dann auch noch die wegbrechen, die ihre erste große Liebe  mit 15/16 Jahren entdecken und am Ende womöglich dann keiner mehr eine Gruppe weiter führen will. Da kann ich Mark schon verstehen, wenn er dann auch irgendwann mal seinen Einsatz überdenkt ...

Wobei Du die Pfadfinderarbeit ja auch nicht nur auf das Produzieren von Gruppenleitern reduzieren kannst, es ist ja schon mehr ... Ein Problem war ja aber auch, dass es später keine Auszeichnung mehr war, eine Gruppe zu leiten, da wurde dann einfach rumgefragt, ob nicht irgend jemand Lust hätte.

Sag mal, das Fahrtenhemd von Deiner Schwester hat ja Deine Mutter entsorgt. Konntest Du eigentlich Deine Kluft retten?

Ja, die habe ich jetzt Lars gegeben, weil seine neue zu klein war.

Deine Kinder waren ja nun schon auf zwei meiner Fahrten mit den Feuerblitzen dabei, eine Wanderung und eine Radtour. Was hast Du so gedacht, als sie Dir von ihren Erlebnissen erzählt haben?

Lars hat ja nicht viel erzählt ...

Was hat er denn erzählt?

Dass es gut war ...

Na, er hat schon mehr erzählt, der war auch stolz wie Bolle. Den Beiden hat es wirklich gut gefallen, die waren z.B. echt froh, dass sie diese Wanderung geschafft und dann dafür eine Kluft bekommen haben. Gut, das Eine oder Andere hat sie schon genervt, dass zum Schluss z.B. die Spriteflasche beim Fußmarsch verloren ging, die Lars von der Anwohnerin geschenkt bekommen hatte. Das hat ihn so richtig fertig gemacht ... 

Ich meine, auch wenn die Eltern bei den Pfadfindern schöne Erlebnisse hatten, heißt das ja nicht, dass die Kinder den gleichen Weg nehmen müssen. Das ist ja schwer reproduzierbar. Es ist schon in Ordnung, wenn der Rahmen z.B. in einer Gemeindegruppe o.k. ist. Ich bin mir auch gar nicht sicher, dass die Arbeit, wie wir sie vor 20 Jahren praktiziert haben, sich noch so dicht am Puls der Zeit befinden würde. Wir haben doch jetzt eher etwas von Oldtimern ...

Loni meint übrigens, dass sie es sich durchaus mal wieder vorstellen könnte, für eine Woche im Jahr mit Zelt auf Tour zu gehen, Kanufahrt, Pfingstlager o.ä. ...

Wann hat sie das denn gesagt ...???

...und Deine Kinder doch sowieso! Wie sieht es denn nun mit Dir aus?

Na, ........ dann fahr ich da halt eben auch mit ...

Wow! Also, in meiner Vorstellung bildet Ihr Beiden im zukünftigen Stammesgeschehen sowieso einen festen Bestandteil ...

Oh, das freut mich aber ?!?! 

Du hast ja nun kein Interesse an regelmäßigen Wochenterminen, ich könnte mir aber vorstellen, dass Du Dich verantwortlich zeigst für den Jurtenaufbau beim nächsten Jurtenschnack im September 2004. Der Zulauf wird ja vermutlich größer ausfallen, so dass wir die Jurte etwas strecken müssen. Du kennst Dich doch damit aus, oder? 

Na klar! Aber das wird doch wohl keine one-man-show von mir, oder? Ich brauche da schon etwas manpower als Unterstützung ...!!! 

Du hast doch da noch Deinen eigenen Dunstkreis, sprich doch mal mit Michael E., der hilft Dir da bestimmt. Wir brauchen da nur Jemanden, wo wir sagen können: Der macht das schon, da können wir uns drauf verlassen!" Wir brauchen nur noch einen Namen für Dein neues Amt ...

Das ist mir eigentlich ziemlich egal.

Nein, warte: "Beauftragter für Jurtenschnacksonderbaukonstruktionen!" Aber nicht, dass Du wie bei Deinem Arbeitgeber gleichzeitig den Job des Sicherheitsbeauftragten damit verbindest und wir nur noch mit Stahlkappenschuhen und Bauhelmen in die Jurte eintreten dürfen ...

Hab' mich beim letzten Jurtenschnack doch auch zurück gehalten, oder? 

Frank, ich danke Dir für das Gespräch!

Du hast ja so viel Notizen gemacht, war das bei den Anderen auch so?

Das war schon etwas überschaubarer ....

Was ich ganz vergessen habe: Über die Honorarfrage haben wir noch gar nicht gesprochen ...

Das aus dem Gedächtnis aufgezeichnete Gespräch mit Frank und Ilona führte Oliver am 07.12.2003 bei Kirschwaffeln mit Sahne und Tee, Kaminfeuer, bellendem Hund und Nachhilfe in weltweiter Wüstenzuordnung.

 

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