Unser 'wasm8eigentlich-Kandidat' für den November 2004:

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Kai!                           mit Mark S.

Ein ehemaliger Gruppenleiter im Gespräch:

Hallo Kai!

Hallo Olli!

Kai, hast Du schon mal wieder auf unsere Homepage geschaut?

Joa, das war vor 3-4 Wochen ... 

Wie war Dein Eindruck?

Verdammt professionell.

Na, das ist aber etwas...

Nee, ernsthaft, als wir uns beim ersten Jurtenschnack getroffen hatten, wann war das, 2002, da war ja schon ein Anfang gemacht, das war aber etwas dürftig. Jetzt hatte ich einen guten Eindruck.

Seit wann bist Du eigentlich im VCP aktiv?

Angefangen habe ich so um 1983, aktiv war ich dann bis zu meiner Ausbildung, irgendwann Anfang der 90er.  Loretta war ja bei mir in der Sippe, die ich geleitet habe.

Was für einen Sippennamen hattet Ihr denn?

Ich weiß gar nicht mehr, wie hieß denn die Sippe? Waldkautz war die Sippe, in der Ramon F., Thomas A., Dirk H., Ken R., Christoph Sch. und ich waren und die Christian T. geleitet hat. Meiner Meinung nach nicht Mäusebussard,  wie das Christian T. in seinem Interview sagt. Das war die, wo Christian T. und Matthias F. drin waren.  Aber wie die Sippe hieß, die ich geleitet habe?  Die werden mich erschlagen, das ist echt bös, das muss wirklich am Alter liegen.  Ich schreib dir 'ne Mail wenn's mir einfällt. (Noch in der selben Nacht fiel Kai ein, dass seine Sippe die Sippe Milan war. Mitglieder, die jetzt noch aktiv sind, waren z.B. Christian M. (Loretta) und Janthe Sch.) 

Wie seid Ihr denn mit der Koedukation umgegangen?

Wir waren sozusagen die Ersten, die das probierten... 

Eine Art Testphase ...

Nee , das war  eher so ein letztes Aufflammen der Dom-Siedlung.  Aber der Reihe nach: Die Meute von Alwine wurde  damals aufgelöst, Wolfgang und Klaus gingen, und auch die Jüngeren aus der Meute sind dann in die Pfadistufe aufgenommen worden. Nachdem dann fast alle Gruppe weg waren, kam die Sippe Milan als letzte Gruppe von St. Petri auf den Plan. Da es nur eine Sippe gab, wurde diese eine koedukative Gruppe - also mehr aus einer Not heraus. Mit Testphase hatte das nichts zu tun.  Mit dem Wegfall der Meutenarbeit ist der Unterbau weggebrochen. Ein Dach ohne Fundament, zeitverzögert musste das dann einstürzen. Die Dom-Siedlung St. Petri hat das ja dann auch heftig zu spüren bekommen. 

In welcher Form?

Die Siedlung wurde aufgelöst.  Auch wenn es vorher noch einige Aktionen gab. So waren wir mit Bernd B. beim Freeclimbing und Paragliding und haben einen Katastrophenschutzkurs gemacht. Warum haben wir bei Letzterem eigentlich nicht gelernt, mit der Katastrophe "Untergang der Siedlung St. Petri" umzugehen?!?
Meutenarbeit ist das wichtigste Element, finde ich. Aus dieser Zeit habe ich am meißten  gezehrt. Wenn ich mal an dem Punkt war, die Sippenleitung hinzuschmeißen, habe ich immer gedacht: Nee, Du willst das weitervermitteln, was Du selbst erlebt hast. Diese Einstellung, diesen verklärten Blick hat man wohl nur, wenn man das von klein auf in der Meute erlebt hat. 

Warum hattest Du die aktive Pfadfinderarbeit dann beendet, bzw. vorübergehend beendet ... ;-) ?

Ich wollte nicht der Letzte auf dem sinkenden Schiff sein, der dann sozusagen dafür verantwortlich gemacht würde, dass  das Ganze abgetakelt wurde. Pastor Müller hatte aber auch gerade aufgehört und der neue Pastor Flügger hatte uns dann die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder eine neue Meute, bzw. weitere Gruppen (so was in der Art jedenfalls), oder die Pfadfinderarbeit würde im Dom eingestellt werden. Da hab' ich auch für mich entschieden: So 'ne Pistolengeschichte will  ich nicht.  Meine Sipplinge waren da dann auch schon so weit, selbst Verantwortung zu tragen und haben für sich entschlossen, weiterzumachen. Wie genau weiß ich gar nicht so recht - kannst ja mal Interviews zu diesem Thema führen.

Oder Du ... ;-) Wie war denn eigentlich Dein Verhältnis zu Burghard?

Der VCP-Bremen war ja damals richtig groß, sodass man sich ja nicht ständig über den Weg  gelaufen ist . Das, was einen untereinander verbunden hatte, waren dann auch mehr die Überfälle auf die anderen Zeltlager  (z.B. von D.v.B.).  Da Burghard und ich aber in unterschiedlichen Altersklassen spielten, hatte wir wenig miteinander zu tun. Ich kann mich dran erinnern, dass er was mit der Kasse zu tun hatte - aber sonst?

Kannst Du Dir vorstellen, für den VCP wieder aktiv zu werden? Nachdem, was ich so von Dir kennen gelernt habe, wärst Du prädestiniert für bestimmte Aufgabenbereiche.

An was denkst Du denn da? Die Zeit spielt bei mir ja immer eine wichtige Rolle.

Wie wäre es denn mit der Vertretung nach außen, Gremienarbeit auf Landesebene, ein klar definierter Bereich. Du hast eine gute Auffassungsgabe und kannst Deine Standpunkte auch gut vertreten. Wäre das was für Dich?

Also, als zweiter Mann könnte ich mir das schon gut vorstellen. Das setzt aber voraus, dass ich noch einmal gründlich im Vorwege über bestimmte Dinge informiert werde, die ganzen Hintergründe zum Beispiel . Ich kann ja schlecht was vertreten, von dem ich nicht mal weiß, was/wer/wie es ist. 

Ich kann Dich ja mal an einem speziellen Beispiel testen: Die Kleiderordnung. Wie ist denn da Deine Ansicht?

Oh, da gab es ja früher schon immer heiße Diskussionen drüber, wobei ich das nie so ideologisch gesehen habe, eher pragmatisch.

Das heißt?

Die 'Affenschaukel' zum Beispiel hatte den Vorteil, dass man den Halstuchknoten nicht mehr verlieren konnte. Diesen Vorzug habe ich für mich schon klar erkannt und meine uralte Kluft ist mittlerweile auch zu kurz, um sie in die Hose zu stopfen ... Nein, aber bei offiziellen Anlässen bin ich schon dafür, dass man als Pfadfinder auch als solcher erkannt wird und das mit möglichst geordneter Kluft. Die Kluft ist ja letztendlich auch ein wichtiges Bindeglied unter den Pfadfindern. Dass es da eine Bandbreite von Klamotten gibt, ist klar. Die JuJa als Zeichen des Bündischen und die ultra-kernigen tragen dann Lederhose. Je kürzer, umso kerniger ... 

Wir hatten ja damals Kordhosen, blau, feinribb ...

Genau, wir wurden auch schon immer schief angeguckt, wenn wir eine Jeans anhatten. Das hat sich bei uns dann erst später durchgesetzt!

So eine Art Quantensprung ...

Sie war eben auch schicker  und vor allem praktischer.  Glut auf der Jeans ist mir jedenfalls lieber als in der Cordhose bzw. im Bein... . Das mit der Jeans war irgendwie auch ein äußerliches Zeichen dafür, jetzt in der Jungpfadfinderstufe zu sein. Als Wölfling war Cord Pflicht - da hatten Alwine und Ursel schon einen Blick drauf... Der Quantensprung war also eher ein persönlicher, denn unsere Generation hat die Jeans nicht "lagerfähig" gemacht - das war schon vor uns so.

Wir haben am 04. September 2004 unseren 3. Jurtenschnack.

Das habe ich gelesen, aber ich muss ja den Samstag arbeiten. Ich komme dann sicher später nach.

Was machst Du denn beruflich?

Ich arbeite mit straffälligen Jugendlichen. Meine Chefin nennt mich immer 'Dipl.-Sozial-Fuzzi' ...

 Aber mit Bezug zur Realität ...

Ja, das kann man wohl sagen, mit sehr starkem Bezug zur Realität. Für Träumereien ist da kein Platz. Es ist übrigens interessant: Unter den Jugendlichen war bislang noch nie ein Pfadfinder ...

Da hab' ich auch schon mal drüber nachgedacht, man sollte wirklich mal eine Statistik anlegen, ob die Straffälligkeit bei Pfadfindern geringer ausfällt als bei denen, die nicht bei den Pfadfindern waren.

Ach so, ich  bin  dann übrigens noch in dem überbündischen Fahrtenkreis 'Hotzenplotz', das ist so eine lockere Verbindung aus verschiedenen Bünden , wie PSN und BdP und halt mir, sozusagen als VCP ;-)

Wie waren da so Deine Erfahrungen?

Da  habe ich zum Beispiel gesehen, dass andere Verbände und Bünde auch gute Pfadfinderarbeit machen. Die eigenen Vorurteile wurden dabei dann sehr schnell über Bord geschmissen.  Das Abgrenzen von früher ("BdP sind doch Plastikpfadis etc.") hat in Zeiten, in denen fast alle zu kämpfen haben, für mich keinen Sinn mehr. Es ist schon okay, wenn Unterschiede sichtbar sind - dafür gibt es ja die verschiedenen Bünde und Verbände, aber Zusammenarbeit finde ich auch gut und wichtig. Über den eigenen Tellerrand zu blicken hat ja auch den Effekt, dass man die Gemeinsamkeiten entdeckt  - denn das "P" haben wir doch alle im Namen! 

Was für ein Schlusswort! Kai, ich danke Dir für das Gespräch!

Das aus dem Gedächtnis aufgezeichnete Gespräch mit Kai K. führte Oliver M. am 16.08.2004. 

 

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