Unsere 'wasm8eigentlich-Kandidatin' für den Oktober 2004

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Silke!        mit Frank

Ein ehemaliges Sippenmitglied im Gespräch:

Hallo Silke!

Hallo Olli!

Silke, ...

Ja, Olli?

Silke, Du fragst Dich doch noch immer, warum ich gerade Dich interviewe?

Genau, ich halte mich da für gänzlich ungeeignet, es ist für mich auch schwer zu erkennen, wen das interessieren sollte ... aber ich werde mich bemühen, so gut wie möglich die Antworten zu formulieren.

Spätere Generationen werden das zu schätzen wissen ... ;-) Aber ganz ehrlich, mir ist irgendwann aufgefallen, dass die wasm8-Abteilung eine reine Männerveranstaltung war, und da ...

Ach, dann bin ich also nur ...

... genau, eine reine Zählkandidatin, damit das Verhältnis ein wenig ausgewogener wird ;-)

Das sieht dann ja auch eher nach Vielen aus, die jetzt wieder aktiv sind ...

Ja! Tarnen und Täuschen nennt man das ... Silke, ...

Ja, Olli?

... Dir ist klar, dass das mit dem Interview so eine Art Staffellauf ist. Das nächste kommt dann von Dir.

Jooaaaa, das hast Du schon erwähnt. Wenn ich dann aber z.B. Ilona interviewe, dann wird das aber wieder eine Sackgasse werden.

Oh, ähh, kann ich das schreiben?

Du, ich glaube, das sieht sie genauso.

Dann musst Du Dir jemand Anderes suchen. Also, ich stelle Dir dann jetzt mal die ultimative "Wie-bist-Du-denn-zu-den-Pfadfindern-gekommen-Frage"!   Vermutlich durch Frank.

Stimmt!

Aha!

Aber nee, eigentlich waren das doch meine Eltern.

Was ist jetzt so der erste Gedanke, wenn Du zurückdenkst an Deine Pfadizeit?

Der erste Gedanke? Als wir in Anloo abgesoffen sind, da hat es so stark geregnet, dass wir im Regen Gräben um die Zelte gezogen haben. 

Da warst Du ja noch sehr klein, wolltest Du damals sofort nach Hause?

Nee, ich fand das cool, das vorzeitige Abholen war für uns doch auch nie eine Option gewesen.

Heute ist das schon etwas anders, die Kinder entdecken nur noch vereinzelt den Reiz am Unbequemen. Das Handy liegt dann sozusagen schon 'allzeit bereit', um bei schlechtem Wetter abgeholt zu werden ...

Ich fand das damals ja irgendwie klasse, sich frei im Lager zu bewegen, die vielen fremden Sprachen, die man dort auf dem Lager in Anloo hörte ...

Du warst dann in der Meute ...

Genau, bei Ute J. dann bei Coby und später in der Sippe von Jutta B., der damaligen Freundin von Frank. Als er sie dann gegen Ilona als Freundin 'tauschte', wechselte auch bei uns entsprechend die Gruppenleitung ...

Wir wurden in den Sippen ja getrennt nach Jungen und Mädchen. War das so in Ordnung für Dich?

Du, ich fand die getrennten Gruppen gar nicht schlecht, sonst wäre man vermutlich wieder in die Rollenklischees verfallen. So waren wir für alles selbst verantwortlich und mussten das entsprechend auch lernen.

Du hast selbst später keine Gruppe mehr geleitet, woran lag es?

Ich glaube, da gab es schon diese Stammesauflösungstendenz, so ein schleichender Ausklang. Die Schwerpunkte lagen dann auch woanders, im Schwimmverein war ich ja auch sehr aktiv und habe dort Kurse geleitet.

Du bist als Pädagogin an der Schule tätig. Stellst Du bei den Kindern eine Veränderung zu früher fest?

Nicht nur bei den Kindern, auch die Umwelt hat sich verändert. Ich bin an einer Dorfschule tätig, wo selbst noch die Drittklässler von den Eltern zur Schule gebracht werden. Durch diese ständige Beaufsichtigung gehen natürlich auch bestimmte Erlebnisse flöten, die Kinder werden zum Teil in ihrer Entwicklung blockiert. Verstehen kann ich diese ausgeprägte Form der Behütung schon, aber teilweise haben die Kinder dadurch auch erhebliche motorische Schwächen, allein schon beim Rückwärtslaufen oder auf einem Bein hüpfen ... Die kommen zum Teil ja kaum noch raus, die Freizeitgestaltung hat zum Teil überhaupt nichts mehr mit Abenteuern zu tun.

Pädagogen als aktive Pfadfinder-Gruppenleitung findet man im Allgemeinen ja nicht so häufig ...

Du, wenn ich von der Schule komme, dann habe ich so'n Kopp. Da brauchst Du dann erst einmal zwei Stunden Ruhe, um wieder eine gewisse Erdung zu bekommen. Der Beruf an sich ist schon toll, da gibt es natürlich auch viele Momente, wo ich das Arbeiten mit den Kindern wirklich genieße.

Welche Fahrten haben Dich damals besonders beeindruckt?

Oh, das war ganz besonders das Lager 'Auszug aus Ägypten', das hat mich schon begeistert. Wir hatten dafür extra eigene Perücken geknüpft. Unsere Mädchengruppe hat dann noch einen Sitzstuhl gebaut, oder versucht zu bauen ... Ach ja, und dann hatten wir mit Ilona noch eine Harzwanderung gemacht, da sind wir dann von Jugendherberge zu Jugendherberge gezogen, und ich mit diesem riesigen blauen Stahl-Gestellrucksack von Frank ...

Stimmt, das war doch so'n Alugestell und Du warst ja damals kaum größer als der Rucksack ... Was gab es denn noch, vielleicht irgend etwas Skurriles?

Skurriles ..., ja, ... in Bürstel, da ward Ihr, glaube ich, auch für verantwortlich. Zumindest war Frank daran beteiligt, da hingen dann unsere Fahrräder am nächsten Morgen in den Bäumen ...

Das war doch originell ...

Joooaa ..., später haben wir uns dann auch darüber gefreut ...

Habt Ihr eigentlich unter unserer Jungensippe gelitten?

Nö, wieso?

Naja, wir waren ja schon manchmal etwas 'anstrengend' ...

Du, das war ja auch immer ein ganz gewisser Reiz ... Ach ja, und dann, das fällt mir jetzt gerade noch ein, haben wir auf der Harzwanderung den sauren Boden untersucht. Es gab da in einem Geo-Spezial solche Lagnus-Papierstreifen, damit konnte man den ph-Wert des Bodens bestimmen. Das Resultat war auch so, dass der Boden im eigenen Kartoffelgarten gesünder war, als im Harz. Damals gab es doch die Diskussion um 'Sauren Regen' und Waldsterben. Wir waren da schon ökologisch interessiert.

Den härtesten Tschai ....

Das ist ja jetzt wohl mehr eine männerspezifische Frage.

Ach was? Sketche - Habt Ihr doch sicher auch etwas dazu beigetragen, oder?

Oh, da erinnere ich mich nur an Eure Sketche ...

... waren wir denn so gut?

Nee, das nicht, aber dieser Brakedance von Ernst, der hat mich z.B. schon beeindruckt, wie er sich da an der virtuellen Scheibe entlang zog ... 

Dein schönstes Fahrtenlied!

Hohe Tanne! "Hohe Tannen säumen die Ster-ern-e, an der Isar wildspringender Flut. Liegt das Lager auch in weiter Fer-er-ne, ...." Das find' ich gut!

Das einzige, worauf man sich bei Ilona wirklich verlassen konnte, war ...

..... ? ....

... war da nichts?

Nein, umgekehrt, ich überlege gerade, ob da überhaupt etwas war, auf das man sich nicht verlassen konnte .... Da wäre mir jetzt auch nichts eingefallen.

Deine letzte Fahrt?

Meine letzte Fahrt ..., Lars, frag' doch mal Deine Mutter nach der letzten Fahrt, die weiß das bestimmt noch ... 'ne Paddeltour? Also 'ne Paddeltour, wenn Ilona das sagt ...

Was vermisst Du aus dieser Zeit am meisten?

Jaaa ...., das ist diese Unabhängigkeit, dieses Gefühl der Freiheit, irgendwo sein Zelt aufzubauen, klarzukommen, und das alles, ohne große Vorbereitungen zu treffen ...

Habe ich eine Frage vergessen?

Das weiß ich nicht! Aber das war doch jetzt bestimmt ganz schön langweilig, oder? Innovativ ist doch etwas anderes ...

Hej, ich fand das ganz nett, mit Dir mal wieder zu plaudern.

Genau, Du hast vergessen, mich zu fragen, was für eine Aufgabe ich denn nun bei den Pfadfindern wieder übernehmen  möchte ...

Das hab' ich nicht vergessen. Ich habe schon verstanden, dass Du dafür keine Kapazitäten mehr frei hast.

Du, das finde ich gut, das zeigt ja, dass Du doch feinfühlig bist.

Aha .... Silke, ...

Ja, Olli?

... ich danke Dir für das Gespräch!

Das aus dem Gedächtnis aufgezeichnete Gespräch mit Silke H. führte Oliver M. am 07.08.2004 am reich gedeckten Kuchentisch, der aufgrund seiner Verspätung schon fast wieder abgeräumt werden sollte ... die Verspätung von Olli, nicht die des Kuchentisches ...

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