Unser 'wasm8eigentlich-Kandidat' für den Januar 2004

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Werner!        

Diakon in der St. Johannes-Gemeinde in Bremen/Arsten

Werner hat so viel erzählt, das muss ich nun in Schriftform bringen und freigeben lassen. Also, noch etwas Geduld bitte...

                                                

                                                   "Also gut, dann warte ich eben noch mit dem Erzählen."

So, nun ist es endlich soweit:

Ein ehemaliger Stammesleiter im Gespräch:

Also Werner, wir fangen jetzt mit einer Reihe von Superlativen an. Ich beginne einen Satz, und Du vervollständigst ihn.

Das hört sich ja an wie bei einem Quiz.

Das schon, aber gewinnen kannst Du nichts. Bist du bereit? 

Ja. 

Mein schönstes Pfadfindererlebnis ... 

... mein schönstes Pfadfindererlebnis ...? Hm,  jaaa, ... das war bestimmt meine Aufnahme als Späher. Wir hatten da einen Späherlauf in London, eine Woche Orientierungslauf im Gillwell-Park und eine Woche in Brighton auf einem Zeltlager bei Leuten, die wir kurz vorher kennen gelernt haben. Da war ich so 16 Jahre alt.

Mein größtes Zeltlager ...

... was ich mitgemacht habe?  .. das war ... ja, das Pfingstlager in Anloo. Da gab es regelmäßig ein Motto. Wir waren dort die einzige deutsche Gruppe.

Den besten Tschai ...

 ... den härtesten: Auf einem Ostertreff , das war so kalt, und die britischen Pfadfinder waren alle ehemalige Offiziere der Besatzungstruppen, die konnten Einiges vertragen.

Den höchsten Turm ...

 ... also lagerbautechnisch haben wir uns ja zu meiner Zeit nicht besonders verausgabt. Wir hatten zu Pfingsten aber mal in Zeven ein Lager, wo wir Feuertische gebaut und unter anderem den Auszug aus Ägypten nachgestellt haben. Da haben wir dann 6-8 Stunden ein Lamm so richtig auf einem Spieß gegrillt. Es war ja auch warm, und die Fliegen hingen schon am Kadaver ....

Die schnellste Seifenkiste ...

... gebaut habe ich ja selbst nie eine, immer nur bewertet, das war am Werdersee. Und als Wander-Pokal hatten wir ein Lenkrad oder einen Lenker, wo dann ein Schriftzug eingeätzt wurde, der liegt bestimmt noch in der Material-Garage ....

Den dümmsten Sketch ...

...aaaah jaaaa, bei den Weihnachtsfeiern - das war schon oft ziemlich flach - und mit den Pointen .....

Wir hatten bei unseren Sketchen eigentlich nie Pointen ...

... genau, man ging auf die Bühne, wartete auf Applaus, um dann gleich wieder abzugehen...

Die totale Koedukation ...

... jaaaa, übrigens, da ist man ja auch wieder von ab. Wir hatten das ja in der Wölflingsstufe noch zusammen laufen, dann trennten wir in den Sippen Jungen und Mädchen, um sie später in der Rover-Ranger Stufe wiederum zusammen zu legen. Es hatte aber immer etwas von einem krampfhaften Versuch an sich, meistens bildeten sich doch Jungs- und Mädchen-Cliquen. Wirklich aufgegangen ist die Koedukation eigentlich nur, wenn sich daraus dann Pärchen gebildet hatten.

Das Einzige, worauf man sich bei Frank wirklich verlassen konnte ...

... das Einzige....?

... war jetzt etwas gemein formuliert ...

Da waren ja mehrere Sachen, ... er war eigentlich immer regelmäßig da, .... ich fand, er war auch pünktlich ..... und immer bereit, mit anzupacken - mit Kopf und Händen immer dabei.

Meine letzte Fahrt ...

... jaaa, .... das war im Herbst mit den Konfirmanden. Wir sind da mit ca. 40 Jugendlichen und Fahrrad 20 km nach Syke gefahren, gegen Wind und Wetter, haben dort Gitarre gespielt, gesungen, einen Orientierungslauf nach einer Handskizze unternommen. Also, es sind schon durchaus einige Pfadfinderelemente, die hier in der Gemeindejugendarbeit fortgeführt werden. Auch die Kanufahrt mit meiner Familie auf der Hamme war ganz schön. 

Deine Frau kommt ja nicht aus dem Pfadfinderbereich. Und in bestimmten Situationen fällt es dem Lebenspartner ja auch auf, dass man bei den Pfadfindern war. Hat sie sich mittlerweile daran gewöhnt?

Die Phase ist noch nicht ganz abgeschlossen, ich bin da auch immer noch am Kämpfen, aber das Fahrtenerlebnis ist ihr nicht gänzlich fremd. Wir waren ja auch schon mal mit unserer Tochter 3 Wochen in Schweden und haben mit dem Kanu Etappen bewältigt und auch zwischendurch wild gezeltet. Aber Kompromisse sind da immer schon erforderlich, auch an die sanitäre Absicherung.

Wie bist Du eigentlich zu den Pfadfindern gekommen. Haben Deine Eltern gesagt: "Fußball kann er nicht, also geht er zu den Pfadfindern."?

Nee, nee, das war nach der Konfirmandenzeit. Da war ich so 14 Jahre alt. Jochen L. aus meiner Klasse hatte mich da gefragt. Bernd H. war übrigens damals auch in meiner Klasse. Die CP hatte da 1972 oder '74 ein Ritter- und Bauern-Zeltlager in Nordrhein-Westfalen. Daran haben wir dann teilgenommen.

Deine Rückzugsmotive waren dann vermutlich eher klassisch: Beruf, Familie, Haus, Garten ....

Nein, das war es gar nicht mal, eher gingen mir die Leute auf'n Geist. Das ist aber auch völlig normal und in vielen Bereichen so zu beobachten: Für eine gewisse Zeit war die Zugehörigkeit in Ordnung, nur dann reichten die Persönlichkeiten, die einen bis dahin geprägt hatten, nicht mehr aus. Eine Erneuerung oder ein Nachwachsen fand auf dieser Ebene bei uns auch nicht statt. Es waren dann immer die gleichen Allüren und die daraus resultierenden Konflikte. Durch den studienbedingten Wegzug war die Zeit dann auch irgendwann vorbei. Ich mache ja nach wie vor Jugendarbeit und durch meine Fortbildung erreiche ich in der Praxis eine breitere Schicht, als mit der Pfadfindermethode. Da war ja nie das ganze Spektrum erfasst worden, das wollte ich aber gerne.

Du bist mir immer als sehr bedacht und mit ruhiger Ausstrahlung in Erinnerung. Besonders die Beziehung zu Gott war bei Dir stark spürbar. Kam das durch die christliche Pfadfinderarbeit?

Also, ich komme ja schon aus einem christlich geprägten Elternhaus und habe damals den Kindergottesdienst oft besucht. Die persönliche Überzeugung kam dann aber erst im Bibelkreis zustande. Pastor Schubert war ja damals in der neu gegründeten Abraham-Gemeinde in Kattenturm in der Jugendarbeit tätig. Es gab damals schon so eine Art Aufbruchstimmung, die Meinungen waren noch nicht so festgezurrt, wie das in alt-eingesessenen Gemeinden üblich ist. Man hatte das Gefühl, sich nicht einfach anpassen zu müssen, sondern miteinander nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Das hat mir gut gefallen. Es gab da natürlich auch Reibepunkte zum Pastor, aber das war ja auch das Spannende. Die Pfadfinderarbeit hatte eher begleitenden Charakter, sie war aber auch das Praxisfeld für die Umsetzung der theologischen Erkenntnisse. 

Auf mich hatte das Christliche oft so aufgesetzt gewirkt, eigentlich war man ja auch wegen der Pfadfinderidee dort aktiv ...

Du meinst die Andachten, Gebete vor und nach dem Essen, die Gottesdienstbesuche?  Im Rückblick würde ich es auch anders, nicht mehr so machen. Man wollte natürlich was reißen, Veränderungen bewirken, und hat dabei die Werte einfach zu platt vorgegeben. Es war oft kein Raum für die Entwicklung der Jugendlichen mehr vorhanden. Wenn man den Versuch der Jugendlichen bemerkte, dieses aufzuweichen, wurde das schon als Störung abgebügelt. Durch die spätere Ausbildung konnte ich dann auch mal über den Tellerrand blicken und meinen Horizont erweitern. Es war schon pädagogisches Unvermögen, Naivität, die Umsetzung zu dilettantisch, zu rigide. Bewirkt hat es dann oft eine konsequente Ablehnung, eine Distanz als Zeichen der eigenen Positionsfindung. Ich habe vielleicht einigen weh getan, indem ich ihnen damit den Zugang zu Gott versperrt habe.

An Dir mache ich aber eigentlich meine Ungläubigkeit nicht fest ...

Nein???

Werner, kannst Du Dir denn vorstellen, an unseren Pfadfinderaktivitäten mal wieder teilzunehmen?

Der Jurtenschnack-Termin liegt ja nun immer im September, da ist schon bei uns jedes Jahr eine Gemeindefreizeit geplant. Ich bin auch durch die Jugendarbeit ziemlich eingebunden, und die Aktionen hier laufen leider sehr oft familienkonträr zu den klassischen Freizeitaktivitäten. Da muss ich schon Prioritäten setzen. Aber ich würde gerne in der Gemeinde eine Pfadfinderarbeit integrieren. Bei uns lagert ja auch noch so viel Material. Wir hatten vor einiger Zeit darüber ja schon mal gesprochen. Du hattest Dich ja angeboten, zum Beginn für ein halbes Jahr die Gruppenarbeit zu begleiten. Das sollten wir jetzt mal ins Auge fassen.

Das können wir gerne mal angehen, vielleicht sollte die Gruppenstunde alle zwei Wochen stattfinden und wir wechseln uns dann ab. Dann ist jeder einmal im Monat gefordert. Wir können vielleicht auch zu Pfingsten etwas gemeinsames veranstalten. Das wäre schon klasse, wenn Du auch bei der Organisation dabei sein könntest.

Ich werd' mir den Termin schon mal in meinen Kalender eintragen ...

Werner, ich danke Dir für das Gespräch.

Können wir jetzt endlich mal Tischfußball spielen, Werner ....?

Das aus dem Gedächtnis aufgezeichnete Gespräch mit Werner führte Oliver am 13.01.2004 bei Apfelsaft und etlichen Störungen, da wir u.a. den Tischfußballraum blockierten ... Peter M. hat sich auch kurz blicken lassen.

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